Wer zahlt den Arbeitsplatz ohne Behinderung und ohne Arbeitsunfall?
Ohne Schwerbehinderung, Arbeitsunfall und Reha-Bezug zahlt keine Stelle einen Zuschuss zur Ausstattung. Der Arbeitgeber schuldet sie trotzdem, und der Steuerabzug bleibt.
Kurze Antwort
Für Beschäftigte ohne Schwerbehinderung, ohne Arbeitsunfall und ohne Reha-Bezug zahlt keine Stelle einen Zuschuss zur Arbeitsplatzausstattung. Der Arbeitgeber schuldet die vorgeschriebene Ausstattung des Bildschirmarbeitsplatzes trotzdem, und zwar ohne Antrag und ohne Zuschuss von außen. Wer selbst kauft, zieht bis 800 Euro netto sofort von der Steuer ab und alles darüber über die Nutzungsdauer, bei Büromöbeln 13 Jahre.
- Zuständig
- Arbeitgeber
- ArbStättV Anhang 6
- Kostenübernahme
- 0 Prozent, niemand zahlt
- Vordruck
- kein Vordruck
- Entscheidungsfrist
- gesetzlich offen
Voraussetzungen
3 Voraussetzungen müssen zusammen vorliegen
Diese 3 Punkte müssen zusammen vorliegen. Fehlt einer davon, wird eine andere Stelle zuständig oder es bleibt beim Steuerabzug.
Keine Stelle nimmt einen Antrag entgegen
Integrationsamt, Berufsgenossenschaft und Rentenversicherung zahlen nur bei einer Behinderung, nach einer Unfallfolge oder bei gefährdeter Erwerbsfähigkeit. Liegt nichts davon vor, gibt es keine Stelle, bei der sich ein Antrag stellen ließe.
Der Anspruch richtet sich gegen den Arbeitgeber
Er folgt aus der Gefährdungsbeurteilung nach § 5 ArbSchG und aus den Anforderungen an Bildschirmarbeitsplätze im Anhang der Arbeitsstättenverordnung. Der Arbeitgeber schuldet das, was aus dieser Beurteilung folgt, und nicht das, was sich jemand wünscht.
Für den Steuerabzug zählt die berufliche Nutzung
Du musst den Gegenstand so gut wie ausschließlich beruflich nutzen. Bei gemischter Nutzung erkennt das Finanzamt nur den beruflichen Anteil an.
Wofür der Arbeitgeber zuständig ist
Der Arbeitgeber trägt die Verantwortung für jede Arbeitsstätte. Er schuldet die vorgeschriebene Ausstattung ohne Antrag und ohne Zuschuss von außen.
Rechtsgrundlage: § 3 ArbSchG, ArbStättV mit Anhang Nummer 6
Arbeitsmittel
Niemand zahlt einen Zuschuss zu den 12 Arbeitsmitteln, 9 davon schuldet der Arbeitgeber
Bei 9 Arbeitsmitteln greift die Pflicht des Arbeitgebers, und die gilt ohne Antrag. Für 3 Arbeitsmittel zahlt in dieser Ausgangslage niemand. Die Tabelle nennt je Arbeitsmittel den Preis und die Bedingung.
| Arbeitsmittel | Wird gezahlt? | Preisspanne | Worauf es ankommt |
|---|---|---|---|
| Höhenverstellbarer Schreibtisch | nein | 300 bis 2400 € | Keine Stelle zahlt einen Zuschuss. Es bleibt der Steuerabzug als Werbungskosten. |
| Ergonomischer Bürostuhl | Pflicht | 150 bis 1800 € | Der Arbeitgeber schuldet die Mindestanforderungen des Anhangs Nr. 6 ArbStättV und darüber hinaus, was die Gefährdungsbeurteilung ergibt. Einen Zuschuss von außen gibt es nicht. |
| Bildschirmbrille | Pflicht | 90 bis 600 € | Der eine Fall, in dem der Arbeitgeber unmittelbar zahlen muss, wenn die arbeitsmedizinische Vorsorge einen Bedarf ergibt. |
| Monitorhalterung | Pflicht | 40 bis 500 € | Der Arbeitgeber schuldet die Mindestanforderungen des Anhangs Nr. 6 ArbStättV und darüber hinaus, was die Gefährdungsbeurteilung ergibt. Einen Zuschuss von außen gibt es nicht. |
| Fußstütze | Pflicht | 20 bis 200 € | Auf Verlangen bereitzustellen, wenn eine ergonomisch günstige Haltung sonst nicht erreicht wird. |
| Ergonomische Maus | Pflicht | 25 bis 350 € | Der Arbeitgeber schuldet die Mindestanforderungen des Anhangs Nr. 6 ArbStättV und darüber hinaus, was die Gefährdungsbeurteilung ergibt. Einen Zuschuss von außen gibt es nicht. |
| Ergonomische Tastatur | Pflicht | 30 bis 400 € | Der Arbeitgeber schuldet die Mindestanforderungen des Anhangs Nr. 6 ArbStättV und darüber hinaus, was die Gefährdungsbeurteilung ergibt. Einen Zuschuss von außen gibt es nicht. |
| Stehhilfe | Pflicht | 80 bis 900 € | Der Arbeitgeber schuldet die Mindestanforderungen des Anhangs Nr. 6 ArbStättV und darüber hinaus, was die Gefährdungsbeurteilung ergibt. Einen Zuschuss von außen gibt es nicht. |
| Arbeitsplatzleuchte | Pflicht | 40 bis 800 € | Der Arbeitgeber schuldet die Mindestanforderungen des Anhangs Nr. 6 ArbStättV und darüber hinaus, was die Gefährdungsbeurteilung ergibt. Einen Zuschuss von außen gibt es nicht. |
| Lärmschutz | Pflicht | 30 bis 3000 € | Der Arbeitgeber schuldet die Mindestanforderungen des Anhangs Nr. 6 ArbStättV und darüber hinaus, was die Gefährdungsbeurteilung ergibt. Einen Zuschuss von außen gibt es nicht. |
| Vorlesesystem | nein | 300 bis 15000 € | Ohne anerkannte Sehbehinderung fehlt die Anspruchsgrundlage. |
| Arbeitsplatzumbau | nein | 500 bis 50000 € | Bauliche Barrierefreiheit wird nur gefordert, soweit Menschen mit Behinderungen beschäftigt sind, und nur für die Bereiche, die sie benutzen (§ 3a Abs. 2 ArbStättV). |
Antragstellung
Wie du den Antrag in der richtigen Reihenfolge stellst
Die Reihenfolge dieser Schritte entscheidet über den Erfolg des Antrags. Wer sie einhält, räumt die häufigsten Ablehnungsgründe im Voraus aus.
- 01
Die Gefährdungsbeurteilung einsehen
Für jeden Bildschirmarbeitsplatz muss eine Gefährdungsbeurteilung vorliegen. Der Betriebsrat oder die Fachkraft für Arbeitssicherheit gibt dir Auskunft darüber. Fehlt sie ganz, hast du den stärksten Hebel schon in der Hand.
- 02
Den Bedarf schriftlich melden
Melde deinen Bedarf formlos beim Vorgesetzten, mit Datum und einer Kopie für dich selbst. Eine Beschwerde, die nur mündlich fällt, existiert im Streitfall nicht.
- 03
Die Betriebsärztin einschalten
Ihre arbeitsmedizinische Empfehlung bewegt in der Praxis mehr als ein Attest vom Hausarzt, weil sie deinen konkreten Arbeitsplatz kennt und beurteilen darf.
- 04
Erst danach selbst kaufen
Wer zuerst kauft, verliert seine Verhandlungsposition. Der Arbeitgeber sieht dann keinen Bedarf mehr, weil das Problem gelöst aussieht.
Häufige Ablehnungsgründe
Den Bedarf bei der Krankenkasse anmelden
Die Krankenkasse lehnt ab, weil ein Arbeitsmittel kein Hilfsmittel des täglichen Lebens ist.
Ein Attest vom Hausarzt als Anspruchsgrundlage nehmen
Das Attest begründet gegenüber keiner Stelle einen Anspruch, weil in dieser Lage keine Stelle zahlt.
Den Stuhl kaufen und die Rechnung einreichen
Niemand erstattet die Rechnung, weil keine Stelle dafür zahlt. Es bleibt der Steuerabzug.
Einordnung
Wie viel in den anderen Ausgangslagen bezahlt wird
Anteil, den die zuständige Stelle übernimmt
- Büroarbeit0 Prozent, niemand zahlt
- Schwerbehinderungoft vollständig
- ArbeitsunfallSachleistung, ohne Eigenanteil
- Nach der Rehavollständig bei erfüllten Voraussetzungen
- Arbeitsuchendim Einzelfall bis vollständig
- Selbständig0 Prozent, aber voll absetzbar
- VerbeamtetEinzelfall, kein Anspruch auf ein Modell
- Homeoffice0 oder voll, je nach Einstufung
- ArbeitgeberMehrkosten oft voll erstattet
Aus der Praxis
Auf fast jeder Ratgeberseite zu Bürostühlen klingt ein Zuschuss an, weil sonst der Verkauf wegbricht. In dieser Ausgangslage gibt es ihn nicht. Wer stattdessen die Gefährdungsbeurteilung anfordert und seinen Bedarf schriftlich meldet, kommt in der Praxis deutlich weiter als jemand, der Anträge an Sozialversicherungen schreibt.
Andere Ausgangslagen
- Du hast einen Grad der Behinderung von mindestens 30. Zur Lage Schwerbehinderung
- Deine Beschwerden gehen auf einen Unfall bei der Arbeit zurück. Zur Lage Arbeitsunfall
- Du arbeitest ganz oder teilweise zu Hause. Zur Lage Homeoffice
Fragen und Antworten
Häufige Fragen zur Ausstattung ohne Behinderung
Zahlt die Krankenkasse einen ergonomischen Bürostuhl?
Die Krankenkasse zahlt keinen ergonomischen Bürostuhl. Sie leistet nach § 33 SGB V Hilfsmittel für den Alltag, und ein Gegenstand, den jemand allein wegen seiner Arbeit braucht, fällt nicht darunter. Auch ein ärztliches Attest ändert daran nichts.
Kann ich meinen Arbeitgeber zu einem höhenverstellbaren Schreibtisch zwingen?
Einen höhenverstellbaren Schreibtisch kannst du nur insoweit verlangen, als er aus der Gefährdungsbeurteilung folgt. Die Arbeitsstättenverordnung schreibt keine bestimmte Tischbauart vor, sondern einen Arbeitsplatz, der den Anforderungen an Bildschirmarbeit genügt.
Was bringt der Steuerabzug für einen Bürostuhl in Euro?
Der Steuerabzug für einen Bürostuhl senkt nicht den Preis, sondern das zu versteuernde Einkommen. Bei einem Grenzsteuersatz von 30 Prozent bleiben von 800 Euro Anschaffungskosten rund 240 Euro Ersparnis. Das gilt nur, soweit deine Werbungskosten im Jahr insgesamt den Pauschbetrag von 1.230 Euro übersteigen.
Wer zahlt den Bürostuhl bei einem Bandscheibenvorfall ohne Schwerbehinderung?
Bei einem Bandscheibenvorfall ohne anerkannte Schwerbehinderung und ohne Arbeitsunfall zahlt zunächst keine Stelle. Führt die Erkrankung zu einer Reha oder gefährdet sie deine Erwerbsfähigkeit, kommt die Rentenversicherung in Betracht. Bis dahin bleibt der Anspruch gegen den Arbeitgeber.
Der häufigste Ablehnungsgrund
Antrag beim Arbeitgeber
Der Arbeitgeber schuldet nicht jede gewünschte Ausstattung. Durchsetzen lässt sich, was aus der Gefährdungsbeurteilung folgt.
Zuschuss Arbeitsplatz gibt allgemeine Auskunft und keine Rechtsberatung im Sinne von § 2 Absatz 1 RDG. Über deinen Antrag entscheidet allein die zuständige Stelle.
Stand
12. September 2026
Verantwortlich
Redaktion Zuschuss Arbeitsplatz
Prüfstand
Wortlaut geprüft, zwei Instanzen