4 Stellen zahlen einen Zuschuss zum ergonomischen Bürostuhl
Einen Bürostuhl auf Rezept gibt es nicht. Je nach Ausgangslage zahlen ihn das Integrationsamt, die Berufsgenossenschaft oder anteilig der Arbeitgeber.
Kurze Antwort
Einen Bürostuhl auf Rezept gibt es nicht, weil die Krankenkasse für Arbeitsmittel nicht zuständig ist. Bei einem Grad der Behinderung ab 50 zahlt das Integrationsamt einen orthopädischen Arbeitsstuhl nach § 19 SchwbAV, nach einem Arbeitsunfall die Berufsgenossenschaft nach § 35 SGB VII. Für alle anderen schuldet der Arbeitgeber einen Stuhl, der den Anforderungen an Bildschirmarbeit genügt, und darüber hinaus bleibt der Steuerabzug.
- Zahlende Stellen
- 4
- je nach Lage
- Preisspanne
- 150 bis 1800 €
- Arbeitgeberpflicht
- ja, anteilig
- aus der Gefährdungsbeurteilung
- Sofortabzug bis
- 800 €
- netto, sonst 13 Jahre
Merkmale
Was ist ein ergonomischer Bürostuhl?
Ein ergonomischer Bürostuhl lässt Sitzhöhe, Sitztiefe, Rückenlehne und Armlehnen auf den Körper einstellen. Seine Synchronmechanik koppelt Sitz und Lehne, sodass beide der Bewegung folgen, statt sie zu blockieren. Der Begriff ergonomisch ist nicht geschützt. Entscheidend sind deshalb die einstellbaren Maße und diese Mechanik, nicht die Bezeichnung im Katalog.
Was der Arbeitgeber nach der Vorschrift schuldet
Der Arbeitgeber muss eine Sitzgelegenheit stellen, wenn die Arbeit ganz oder teilweise sitzend verrichtet werden kann (Anhang Nr. 3.3 Abs. 2 ArbStättV). Am Bildschirmarbeitsplatz muss der Stuhl den Grundsätzen der Ergonomie entsprechen (Anhang Nr. 6.1 Abs. 1). Welche Ausführung das erfüllt, folgt aus der Gefährdungsbeurteilung nach § 5 ArbSchG. Ein bestimmtes Modell schreibt keine Vorschrift vor.
Wer zahlt
Von 4 Stellen zahlt in deiner Ausgangslage genau eine
Welche es ist, entscheidet deine Ausgangslage. Die Tabelle nennt je Lage die Stelle, die zahlt, und ob sie voll zahlt oder nur im Einzelfall.
| Deine Lage | Wird gezahlt? | Wer zahlt | Worauf es ankommt |
|---|---|---|---|
| BüroarbeitIch sitze im Büro und mein Rücken tut weh | Pflicht | Arbeitgeber | Der Arbeitgeber schuldet die Mindestanforderungen des Anhangs Nr. 6 ArbStättV und darüber hinaus, was die Gefährdungsbeurteilung ergibt. Einen Zuschuss von außen gibt es nicht. |
| SchwerbehinderungIch habe einen Schwerbehindertenausweis | ja | Integrationsamt | Als technische Arbeitshilfe kann das Integrationsamt die Kosten bis zur vollen Höhe übernehmen (§ 19 SchwbAV), wenn sie die behinderungsbedingte Einschränkung ausgleicht. Antrag vor dem Kauf, so die Praxis der Ämter. |
| ArbeitsunfallIch hatte einen Arbeitsunfall oder eine Berufskrankheit | ja | Berufsgenossenschaft | Wenn der Bedarf auf die anerkannte Unfallfolge zurückgeht, erbringt die Berufsgenossenschaft die Arbeitshilfe als Sachleistung, ohne Zuzahlung oder Eigenanteil (§ 35 SGB VII, § 49 Abs. 8 SGB IX). |
| Nach der RehaIch komme aus der Reha zurück | ja | Rentenversicherung | Als Leistung zur Teilhabe am Arbeitsleben, wenn die persönlichen und versicherungsrechtlichen Voraussetzungen vorliegen (§§ 10, 11 SGB VI). Vordruck G0100 mit Anlage G0133. |
| ArbeitsuchendIch bin arbeitslos und fange neu an | Fall | Agentur für Arbeit | Wenn die Ausstattung nötig ist, um die dauerhafte Teilhabe am Arbeitsleben zu erreichen oder zu sichern (§ 46 Abs. 2 SGB III), und keine andere Stelle vorrangig zuständig ist, vor allem Rentenversicherung und Berufsgenossenschaft. |
| SelbständigIch bin selbständig | nein | Steuerabzug | Keine Stelle zahlt einen Zuschuss. Die Anschaffung ist Betriebsausgabe. |
| VerbeamtetIch bin verbeamtet | Pflicht | Dienstherr | Der Dienstherr stattet den Dienstposten aus. Das Arbeitsschutzgesetz gilt auch für Beamte; die Arbeitsstättenverordnung beim Bund unmittelbar, in den Ländern nach Landesrecht. |
| HomeofficeIch arbeite zu Hause | Fall | Arbeitgeber | Beim vereinbarten Telearbeitsplatz gelten die Anforderungen an Bildschirmarbeitsplätze (Anhang Nr. 6 ArbStättV), beim bloßen mobilen Arbeiten nicht. Die Einstufung entscheidet. |
| ArbeitgeberIch bin Arbeitgeber und will ausstatten | Pflicht | Arbeitgeber | Grundausstattung, vom Betrieb selbst zu tragen. Was ohnehin geschuldet ist, wird nicht bezuschusst. |
Anteil, den jede Stelle übernimmt
- Integrationsamtvoll
- Berufsgenossenschaftvoll
- Rentenversicherungvoll
- Agentur für ArbeitEinzelfall
Auswahl
4 Merkmale, die vor dem Kauf feststehen müssen
Ob die Anschaffung zu dir passt, entscheidet sich an diesen Angaben. In Produktbeschreibungen stehen sie selten im Vordergrund.
Der Sitzhöhenbereich muss zur Körpergröße passen
Deine Unterschenkellänge bestimmt die Sitzhöhe. Standardstühle decken etwa 42 bis 53 cm ab, was für Menschen unter 160 cm und über 190 cm oft nicht ausreicht. Gasfedern in anderen Längen gibt es meist als Zubehör.
Sitztiefenverstellung
Zwischen Kniekehle und Sitzvorderkante gehören zwei bis vier Finger. Ohne Sitztiefenverstellung drückt die Kante bei kleinen Menschen in die Kniekehle und stützt bei großen den Oberschenkel nicht.
Synchronmechanik mit Gewichtseinstellung
Sie koppelt Sitz und Lehne in einem festen Verhältnis und muss auf dein Körpergewicht eingestellt werden. Ohne diese Einstellung federt die Lehne für leichte Menschen zu hart und für schwere zu weich.
Armlehnen in Höhe und Breite verstellbar
Sie sollen deinen Unterarm im rechten Winkel stützen und mit der Tischhöhe fluchten. Feste Armlehnen sind der häufigste Grund, warum der Stuhl nicht nah genug an den Tisch kommt.
Aus der Praxis
Fast jeder Stuhl im Büro ist falsch eingestellt, und zwar meist nur an zwei Stellen. Die Gewichtseinstellung der Mechanik steht im Werkszustand, und die Sitztiefe hat nie jemand angefasst. Beides zusammen kostet nichts und bringt mehr als der Wechsel auf ein teureres Modell. Wer einen neuen Stuhl beantragt, sollte den vorhandenen vorher richtig eingestellt haben, sonst fehlt dem Antrag sein stärkstes Argument.
Maße
Sitzhöhe, Tischhöhe und Sehabstand folgen aus deiner Körpergröße
Ein falsch eingestellter Arbeitsplatz erzeugt dieselben Beschwerden wie ein fehlender. Sitzhöhe, Tischhöhe und Bildschirmabstand ergeben sich aus deiner Körpergröße, nicht aus dem Modell.
Fragen und Antworten
Häufige Fragen zum Zuschuss für den Bürostuhl
Gibt es einen Bürostuhl auf Rezept?
Einen Bürostuhl auf Rezept gibt es nicht. Ein Rezept richtet sich an die Krankenkasse, und die ist für Arbeitsmittel nicht zuständig. Für den Arbeitsplatz sind Integrationsamt, Rentenversicherung, Berufsgenossenschaft oder der Arbeitgeber die richtigen Adressen.
Zahlt die Krankenkasse einen Zuschuss zum Bürostuhl?
Die Krankenkasse zahlt keinen Zuschuss zum Bürostuhl, weil sie für Arbeitsmittel nicht zuständig ist. Zuständig sind je nach Ausgangslage das Integrationsamt, die Rentenversicherung, die Berufsgenossenschaft oder der Arbeitgeber.
Muss der Arbeitgeber einen ergonomischen Bürostuhl bezahlen?
Der Arbeitgeber muss dir eine Sitzgelegenheit stellen, und am Bildschirmarbeitsplatz muss sie den Grundsätzen der Ergonomie entsprechen (Anhang Nr. 3.3 Abs. 2 und Nr. 6.1 Abs. 1 ArbStättV). Welche Ausführung das erfüllt, ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung nach § 5 ArbSchG. Ein bestimmtes Modell schreibt keine Vorschrift vor.
Was ist ein orthopädischer Arbeitsstuhl?
Ein orthopädischer Arbeitsstuhl ist über die normale Einstellbarkeit hinaus auf eine bestimmte Einschränkung angepasst, etwa mit Sitzkantenentlastung, Spezialpolsterung oder besonderer Sitzneigung. Erst diese Anpassung macht ihn zur technischen Arbeitshilfe, deren Kosten das Integrationsamt nach § 19 SchwbAV übernehmen kann.
Was unterscheidet einen ergonomischen von einem orthopädischen Bürostuhl?
Ein ergonomischer Bürostuhl ist auf viele Körper einstellbar, ein orthopädischer Arbeitsstuhl zusätzlich auf eine bestimmte Einschränkung angepasst. Erst diese Anpassung macht ihn zur technischen Arbeitshilfe, für die das Integrationsamt nach § 19 SchwbAV aufkommen kann. Einen Stuhl, den jeder im Betrieb bekommt, fördert es nicht.
Über wie viele Jahre wird ein ergonomischer Bürostuhl abgeschrieben?
Einen ergonomischen Bürostuhl schreibst du steuerlich über 13 Jahre ab. Praktisch entscheidet die Mechanik über die Lebensdauer, nicht der Bezug. Gasfeder und Synchronmechanik geben zuerst nach.
Was kostet ein ergonomischer Bürostuhl?
Ein ergonomischer Bürostuhl kostet zwischen 150 und 1.800 Euro. Der Preis hängt an der Mechanik und am Umfang der Verstellmöglichkeiten, weniger am Material des Bezugs.
Zuschuss Arbeitsplatz gibt allgemeine Auskunft und keine Rechtsberatung im Sinne von § 2 Absatz 1 RDG. Über deinen Antrag entscheidet allein die zuständige Stelle.
Stand
12. September 2026
Verantwortlich
Redaktion Zuschuss Arbeitsplatz
Prüfstand
Wortlaut geprüft, zwei Instanzen
Die 9 Ausgangslagen und was sie einbringen
Die Ausgangslage entscheidet, welche Stelle die Kosten übernimmt.
- Ich sitze im Büro und mein Rücken tut weh0 Prozent, niemand zahlt
- Ich habe einen Schwerbehindertenausweisoft vollständig
- Ich hatte einen Arbeitsunfall oder eine BerufskrankheitSachleistung, ohne Eigenanteil
- Ich komme aus der Reha zurückvollständig bei erfüllten Voraussetzungen
- Ich bin arbeitslos und fange neu anim Einzelfall bis vollständig
- Ich bin selbständig0 Prozent, aber voll absetzbar
- Ich bin verbeamtetEinzelfall, kein Anspruch auf ein Modell
- Ich arbeite zu Hause0 oder voll, je nach Einstufung
- Ich bin Arbeitgeber und will ausstattenMehrkosten oft voll erstattet
Was 6 weitere Arbeitsmittel kosten
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